Eine Gutschrift darf AB SOFORT nicht mehr Gutschrift heißen

“Amtshilferichtlinieumsetzungsgesetz” – diesen sperrigen Namen hat ein Gesetz, in das einige wichtige Änderungen im Umsatzsteuergesetz gepackt wurden. Dieses Gesetz ist bereits am 30. Juni 2013 in Kraft getreten.

Eine Gutschrift darf nicht mehr Gutschrift heißen: Als Gutschrift darf (und muss!) in Zukunft nur noch ein exotischer Fall der Gutschrift tituliert werden, der in vielen Firmen gar nicht vorkommt. Eine Gutschrift im steuerlichen Sinne ist jetzt nur noch gegeben, wenn der Leistungsempfänger dem Leistenden eine Gutschrift erteilt. Zum Beispiel das Unternehmen, dem Umsätze vermittelt werden, erteilt dem Handelsvertreter eine Gutschrift über die von diesem verdiente Provision. Oder: Der Verlag erteilt dem Autor eine Gutschrift über Tantiemen aufgrund der verkauften Bücher. Solche Gutschriften müssen jetzt zwingend als Gutschrift bezeichnet werden, um sich den Vorsteuerabzug zu sichern. Die englische Bezeichnung “self-billing invoice” ist zulässig.

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Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Seefeld

Die so genannte Kaufmännische Gutschrift darf nicht mehr so bezeichnet werden: Diese muss zukünftig zum Beispiel als “Rechnungskorrektur” bezeichnet werden. Typisches Beispiel: Der Kunde reklamiert, weil etwas gefehlt hat oder etwas mangelhaft ist oder weil er generell weniger zahlen will und man erteilt ihm eine Gutschrift. Diese darf in Zukunft nicht mehr so heißen (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 10 UStG). Die englische Bezeichnung “credit note” ist auch hier zulässig. Hinweis: Die Bundessteuerberaterkammer hat sich am 9. Juli 2013 in einer Eingabe an das Bundesfinanzministerium dafür eingesetzt, die strengen Neuregelungen zur Verwendung des Wortes “Gutschrift” zu entschärfen.

Neue Pflichtangabe bei Reverse-charge Umsätzen: Hier muss künftig exakt folgender Wortlaut verwendet werden: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ (§ 14a Abs. 1 UStG). Die englische Bezeichnung “Reverse charge” ist (wohl) ebenfalls zulässig.

Mehr Tempo bei der Rechnungsstellung zwingend: Für grenzüberschreitende Leistungen und innergemeinschaftliche Lieferungen muss die Rechnung in Zukunft bis zum 15. des Folgemonats ausgestellt werden. Gefahr: Wer diese Frist versäumt, dem droht unter Umständen der Verlust der Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen. Das steht zwar nicht explizit so im Gesetz, ist aber zu befürchten. Beispiel: Ein Möbelhändler aus Rosenheim liefert am 1. August bzw. am 31. August zehn Tische an einen Unternehmer in Salzburg. In beiden Fällen muss die Rechnung bis zum 15. September ausgestellt und verschickt werden.

Einfuhrumsatzsteuer: Diese kann nun bereits dann als Vorsteuer abgezogen werden, wenn sie entstanden ist und nicht erst, wenn sie bezahlt worden ist.

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Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
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Was ist schlimmer: Umsatzrück­gänge oder Rabatte?

Was ist schlimmer? Zehn Prozent Umsatzrückgang oder zehn Prozent Preissenkung? Klare Antwort: Bei den Preisen nachzugeben wäre – bei gleicher Absatzmenge – schlimmer. Denn der Wareneinkauf bleibt ja gleich. Beim Umsatzrückgang geht hingegen auch der Wareneinkauf zurück.

Beispiel: Ein Unternehmen macht eine Million Umsatz (netto) bei 40 Prozent Rohmarge und 300.000 Euro Fixkosten (Personal, Miete usw.). Der Gewinn beträgt (vorher) 100.000 Euro. Denn 40 Prozent von einer Million sind 400.000 Euro Rohertrag. Minus 300.000 Euro Fix­kosten macht das 100.000 Euro Gewinn.

Umsatzrückgang: Zehn Prozent Umsatzrückgang bedeuten statt einer Million nur noch 900.000 Euro Umsatz. Und 40 Prozent ergeben dann 360.000 Euro Rohertrag. Das bedeutet nach Abzug der Fixkosten immerhin noch 60.000 Euro Gewinn. Rabatte: Zehn Prozent flächendenkender Preisnachlass bedeutet hingegen nur noch 300.000 Euro Rohertrag, denn der Wareneinkauf bleibt ja unverändert bei 600.000 Euro. 300.000 Euro Rohertrag minus 300.000 Euro Fixkosten ergibt einen Gewinn von Null.

Ergebnis: Ein Umsatzrückgang ist nicht so schlimm wie eine Preissenkung.

Übrigens: Wenn nun jemand kontert: „Bei solchen Rabatten könnten wir ja viel mehr verkaufen!“ stellen Sie die Gegenfrage: „Und wie stark müsste dann unser Absatz explodieren, um nur den alten Gewinn halten zu können?“ Die Antwort wird das Schweigen im Walde sein.

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Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
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